
Birzeit wurde im Jahre 1924 von Nabiha Nasir (1891-1951) als Schule gegründet, um den Kindern der Stadt Birzeit und der umliegenden Dörfer eine Erziehung zu ermöglichen. Im Jahr 1953 begann Birzeit als College, einjährige Universitätskurse für Kunst- und Naturwissenschaften anzubieten, sowie ab 1961 zweijährige Kurse. Im folgenden Jahr wurden außerordentliche Abschlüsse für die Zweijahreskurse verliehen, was es den Studenten ermöglichte, an anderen Universitäten in der arabischen Welt und anderswo ihre Kurse zu vervollständigen.
Im Jahre 1967 besetzte Israel die palästinensische Westbank und den Gazastreifen und führte damit Reisebeschränkungen für Palästinenser in diesen Gebieten ein. Jener Entwicklung folgend, eliminierte Birzeit das Highschool-Programm und konzentrierte sich auf die Universitätskurse. 1972 begann das College ein vierjähriges Programm, das zum Titel des Bakkalaureus für Kunst- oder Naturwissenschaften führte. Um die Unabhängigkeit und Integrität des Colleges zu bewahren, als es zur Universität wurde, formten die Gründer 1973 ein autonomes Kuratorium, das die volle Verantwortung für die Institution übernahm.
Im Jahre 1975 nahm Birzeit offiziell den Namen "Universität Birzeit" an, nachdem auch akademische Seniorjahre eingeführt worden waren. 1976 wurde die Universität in die Vereinigung der arabischen Universitäten aufgenommen, hielt danach ihre erste Abschlußzeremonie am 11. Juli 1976 ab, und trat im folgenden Jahr der internationalen Vereinigung der Universitäten bei. 1978 erfolgte die Anfügung einer Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, und 1979 eröffnete die Universität ihre Fakultät für Ingenieurwesen, was die vier Fakultäten ergab, die gegenwärtig bestehen.
Gerade als die Entwicklung der Universitätspropramme fast abgeschlossen war, schloß Israel durch militärische Anordnung im Dezember 1973 den Campus für zwei Wochen, die erste von vielen repressiven Maßnahmen gegen die akademische Gemeinschaft. Ein knappes Jahr später deportierte Israel den Universitätspräsidenten Dr. Hanna Nasir. Dr. Nasir blieb 19 Jahre im Exil.
Die zweite Schließung der Universität 1979 dauerte eine Woche lang. Im Jahrzehnt 1982 -1992 war die Universität 60 Prozent der Zeit geschlossen. Die 15. und jüngste Schließung dauerte 51 Monate, vom 10. Januar 1988 bis zum 29. April 1992. Während dieser Zeit operierte die Universität mit kleinen Studiengruppen im Untergrund. Trotz des Bekenntnisses zur Ausbildung sowohl seitens der Fakultät als auch der Studenten litt natürlich das Niveau während dieser Zeit des reduzierten Zugangs zu Bibliotheken und Laboratorien. Viele Studenten benötigten so 10 Jahre, um ihre vierjährigen Studienkurse abzuschließen.
Obwohl es auch in der Zeit nach Oslo noch gravierende Verletzungen der Menschenrechte und der akademischen Freiheit gibt, funktionieren die bestehenden Abteilungen und Programme doch gut, während die Universität gleichzeitig auf neue und kreative Weise expandiert, um den Anforderungen des entstehenden palästinensischen Staates gerecht zu werden.